Henkerpfad
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6.

Bergbauweg · Station

Der Zwerg und der Schatz

Hier unter uns plätschert der Moosbach dahin. Er durchfließt das Löchleinstal, hieß früher „Kalte Steinach“ und gab der kleinen Ansiedlung hier am Fuße des Mittelbergs den Namen „Kaltensteinach“. Das Löchleinstal hat seinen Namen wahrscheinlich von den vielen Löchern. Es sind die Reste von Pingen und alten Stolleneingängen – und es gelingt nur dem kundigen Wanderer, sie zu erkennen.

Die Sage „Der Zwerg und der Schatz“ handelt von einem Köhler aus Kaltensteinach. Holzkohle war für die Eisengewinnung aus den geförderten Eisenerzen und für die weitere Verarbeitung in Hammerwerken von großer Bedeutung. Unzählige Meilerstätten im Wald, von Köhlern betrieben, sorgten für die immensen Mengen der notwendigen Holzkohle.

„Der Zwerg und der Schatz“

Der Beruf des Köhler war anstrengend und wurde schlecht entlohnt.

Lange musste ein Köhler in früherer Zeit an seinem Meiler arbeiten, bis er das Geld für das Nötigste zum Essen beisammen hatte.

Am Ende eines harten Tages setzte sich einst ein Köhler aus Kaltensteinach auf die Bank von seiner bescheidenen Hütte, dankte Gott für das karge Abendbrot und begann von dem Laib Brot ein Stück abzuschneiden.

Noch bevor er die Scheibe zum Mund führen konnte, erschien mit einem Mal ein kleines Männlein aus dem nahen Wald. Der Köhler staunte nicht schlecht, als der grün gekleidete Winzling plötzlich vor ihm stand. Flehend blickte der Kleine zu dem Köhler auf und sagte, dass er bereits seit Stunden nichts mehr gegessen und deshalb großen Hunger habe. Obwohl er selbst nicht viel zu Essen hatte, schnitt er dem Kleinen eine Scheibe ab und reichte sie ihm. Als das Männlein das Stück Brot verzehrt hatte, bedankte es sich bei dem armen Köhler für seine Güte. Wegen seiner Freigiebigkeit wollte der Kleine den Köhler mit einem Goldschatz entlohnen. Eindringlich schärfte der Zwerg dem Köhler ein, dass er zuerst ein Gebet sprechen muss, wenn sie bei de Schatz angekommen sind. Vergisst er zu beten, wird er Kohlen statt Gold nach Hause tragen.

Ohne zu sprechen folgte der Köhler dem kleinen Mann durch den Wald. Nach geraumer Zeit kamen sie an einen Felsen, den der Köhler kannte. Diesmal entdeckte er jedoch im Gestein eine Spalte, die er vorher noch nie gesehen hatte. Die beiden folgten einem langen Gang und gelangten schließlich zu einer gewaltigen Grotte, die über und über mit Gold gefüllt war. Geblendet von dem unfassbaren Reichtum, der mit einem Mal vor dem armen Köhler lag, fing er an, seine Taschen bis oben hin mit den Schätzen voll zu stopfen.

Im selben Moment begann es in allen seinen Taschen zu brennen und zu glühen. Der Anblick des Schatzes hatte den armen Mann derart berauscht, dass er vergessen hatte, ein Gebet zu sprechen. Aus allen Taschen qualmend suchte der Köhler sein Heil in der Flucht. Er rannte den Gang zurück, stürzte ins Freie und fand die dringend benötigte Abkühlung in einem Bach, der nicht weit entfernt an dem Felsen vorbei lief. Als sich der Mann von seinem Schreck erholt hatte, ging er zurück zu dem Felsen. Von der Spalte, die zur Schatzhöhle geführt hatte und von dem Zwerg fehlte jedoch jede Spur. Nur ein paar Kohlen lagen verstreut vor dem Felsen. Als er in seinen verbrannten Taschen nachsah, fand er auch dort nur Überreste von Kohlenstücken.

Textauszug aus: Der Zwerg und der Schatz, in: Hermann, Harald (Hg.): Geister, Ritter, Fabelwesen. Eine sagenhafte Reise durchs Fichtelgebirge, Bamberg 2006. [leicht gekürzt und angepasst]

Die Texte entsprechen der Entwurfsfassung der Tafeln und können sich noch ändern.

Die Tafel an der Station

Die Tafel an der Station: Der Zwerg und der Schatz
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Über das Projekt

Lasst uns gemeinsam den Weg beschreiten, der zwei gegensätzliche Themen verbindet: einerseits das mittelalterliche Henkersrecht in Žlutice und die Atmosphäre der Vergangenheit, die in dieser Region unauslöschliche Spuren hinterlassen hat, andererseits Entspannung und Erholung inmitten der Natur, die geistigen Ausgleich, aber auch Versöhnung mit den grausamen Taten bietet, die hier einst stattfanden.

Mehr über Projekt

Partner

Stadt Žlutice
Gemeinde Warmensteinach
Euregio Egrensis

Finanzierung

Europäische Union: INTERREG Bayern – Tschechien 2021–2027, Kleinprojektefonds
Stadt Žlutice – Gemeinde Warmensteinach

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